Die Superintelligenz

Großer Bahnhof im Weißen Haus. Donald Trump lud die Tech-Mil-
liardäre zum Rapport, um die Zukunft der Künstlichen Intelligenz
zu besiegeln. Weil ihm „KI“ aber zu mickrig klang – wie eine Abkür-
zung für Kleinkram –, nannte er das Ganze kurzerhand per Dekret
in „Superintelligenz“ um. Klingt besser, macht einfach mehr her.

Elon Musk, Mark Zuckerberg und Sundar Pichai nickten dazu artig,
das Dokument wurde unterzeichnet und stolz in den sozialen Me-
dien geteilt.

Dumm nur, wenn das Ego mal wieder schneller tippt als das Gehirn
nachkommt. Direkt unter Trumps Unterschrift prangte die offizielle
Amtsbezeichnung: „President of the Unites States“.
Das „d“ bei United fiel wohl der jüngsten Sparpolitik zum Opfer. Un-
freiwillig tiefgründig: Aus dem Präsidenten der Vereinigten Staaten
wurde so grammatikalisch der „Präsident, der vereint“ (to unite). Die
Netzgemeinde schoss sofort scharf und lästerte auf X: „Vielleicht soll-
tet ihr beim nächsten Mal eine KI drüberschauen lassen, bevor ihr sie
reguliert!“

Und sonst?
Echte Bomben hat Trump an diesem Samstag zwar nicht werfen las-
sen – er entlud die planetare Aggression stattdessen lieber verbal:
Bevor er in die Air Force One stieg, trat er kurz vor die Presse, um
dem Iran das diplomatische Mars-Pluto-Prinzip in einfachen Worten
zu erklären. Teheran sei ohnehin „dezimiert“, so Trump, weshalb es
für das Land ab jetzt nur noch zwei Optionen gebe: „Entweder auf
die einfache Tour oder auf die harte Tour.“

Direkt nach diesem geopolitischen Statement des Feingefühls zog
der frischgebackene Herrscher der „Unites States“ weiter zum Wahl-
kampf vor seine entsetzten Parteibasis in Ohio. 
Dort zeigte er, wie
er das mit dem „Vereinen“ praktisch umzusetzen gedenkt: Durch das
gemeinsame Ablegen eines reichlich bizarren Eides. Rechte Hand
hoch, nachsprechen bitte! Trump ließ sein Publikum folgenden Text
im Chor aufsagen:

„Ich schwöre dem größten Präsidenten in der Geschichte der Vereinig-
ten Staaten, der uns so sehr liebt, dass er kaum atmen kann… Dass
ich mit Familie und Freunden wählen gehen werde. Es ist mir egal, ob
ich registriert bin oder nicht, ich werde versuchen, zu betrügen, was
das Zeug hält, so wie die es tun. Weil es noch nie größere Betrüger
gab. So wahr mir Gott helfe.“

Wer am Wahltag trotzdem lieber auf dem Sofa bleibt, landet laut Trump
übrigens prompt „in der Hölle“. 
Die digitale Boheme fasste das Spekta-
kel auf TikTok trocken zusammen: „Wer nicht wählt, kommt in die Hölle.
Wer wählt und betrügt, wird von Trump begnadigt. Das Jenseits-Pro-
gramm der Republikaner steht!“

Verfassungsrechtler ringen seither kollektiv um Fassung: Ein US-Präsi-
dent, der seit Jahren härtere Strafen für Wahlfälschung fordert, stiftet
seine Wähler per feierlichem Eid zum organisierten Betrug an.
Während die Demokraten empört von Sabotage sprechen, wiegelte das
republikanische Kampagnenteam hastig ab: Das sei natürlich alles „nur
ein sarkastischer Witz“ gewesen. Man lacht ja sonst nicht genug.


Es bleibt die Erkenntnis dieses Wochenendes: Die Tech-Elite reguliert
drinnen im Weißen Haus die Superintelligenz, während man draußen im
Land den kollektiven Realitätsverlust zelebriert.